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Cervelo Aspero Test: Das ursprüngliche schnelle Aero-Gravelbike – aber kann es noch mithalten?

Das Aspero war das ursprüngliche Aero-Race-Gravelbike, das seit seiner Markteinführung über die Jahre hinweg optimiert wurde. Hat das gereicht, um relevant zu bleiben?

Veröffentlicht vor 1 Tag
Cervelo Aspero Test: Das ursprüngliche schnelle Aero-Gravelbike – aber kann es noch mithalten?

Cervelo Aspero Test: Das ursprüngliche schnelle Aero-Gravelbike – aber kann es noch mithalten?

„Haul ass, not cargo” (Fahr schnell, statt Gepäck zu schleppen). Das war das Motto von Cervelo bei der ersten Präsentation des Aspero im Jahr 2019. Damals bildete es in der aufstrebenden Gravel-Szene eine eigene Kategorie: Es war das einzige Aero-Race-Velo, während der Rest den Ansatz „Ein Velo für alles“ verfolgte. 
Es hatte keine Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck, dafür aber eine aggressive Geometrie und Aero-Rohrprofile. Das gesamte Know-how der kanadischen Marke floss ein, um das Velo so schnell wie möglich zu machen. 

(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Spulen wir vor ins Jahr 2025: Der Gravel-Bereich hat sich generell in abenteuerorientierte Velos und reine Rennvelos aufgeteilt. Beispiele dafür sind das noch extremere Aspero-5 von Cervelo sowie ähnlich fokussierte Race-Velos wie das Pinarello Dogma GR, das Bianchi Impulso und das 3T Racemax WPNT.
Hat das Aspero in einem sich ständig wandelnden Markt, der immer extremere und schnellere Maschinen hervorbringt, noch seinen Platz? Und wie schlägt es sich im Vergleich zu den besten Gravel-Race-Velos
 
Design-Details
Die Silhouette des Aspero ähnelt stark dem Original. Es gibt eher subtile Anpassungen und Unterschiede im Carbon-Layup als gravierende Veränderungen. Frei nach dem Motto: Was gut ist, muss man nicht ändern. Im Gegensatz zum neuesten Aspero-5 verfügt es über einen Standardlenker und -vorbau, im Rahmen verlegte Kabelzüge und eine grössere Reifenfreiheit, die Platz für bis zu 47 mm breite Reifen bietet.
Das Testvelo bringt 8,8 kg auf die Waage, wobei der Rahmen laut Hersteller 1.100 Gramm (Grösse 56) wiegt. Das ist für ein Offroad-Modell absolut leicht genug.
Optisch erinnert es stark an andere Modelle aus dem Cervelo-Sortiment: Aero-Rohrprofile und schön abgerundete Kanten verleihen ihm einen eleganten, dezenten Look.
 
(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Die Gabel verfügt über ein anpassbares Ausfallende, das mittlerweile vielleicht etwas überflüssig erscheint. Ursprünglich wurde es entwickelt, um zwischen 650b- und 700c-Laufrädern zu wechseln und dabei den Nachlauf und somit die Fahreigenschaften beizubehalten. Eine clevere Idee, aber da heute kaum noch jemand 650b-Laufräder nutzt, dürfte dieses Feature in der Praxis selten zum Einsatz kommen.
Der Gabel-Offset lässt sich bei den Grössen ab 54 zwischen 46 mm und 51 mm verstellen; bei der Grösse 51 zwischen 49 und 54 mm und bei der Grösse 48 zwischen 52 und 57 mm. Dies verhindert eine Zehenüberlappung mit dem Vorderrad und sorgt für ein konsistentes Handling über alle Rahmengrössen hinweg.

(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Das Unterrohr ist massiv, aber nicht übertrieben voluminös. Es verfügt über einen praktischen Gummischutz knapp über dem Tretlager, der vor Steinschlägen vom Vorderrad schützt. Im Gegensatz zum Original sind keine BBright-Pressfit-Lager mehr verbaut. Stattdessen setzt man auf den zuverlässigeren und wartungsfreundlicheren T47-Standard. Es ist wie beim Original asymmetrisch, um eine bessere Ausrichtung der Kurbelgarnitur und steifere Kettenstreben zu ermöglichen.

(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Auch die Kettenstreben sind mit sauberen Gummiprotektoren versehen und gehen fliessend in die Sitzstreben über. Das Velo ist mit einem UDH-Schaltauge ausgestattet. Das ist nicht nur steifer und bei einem Defekt viel einfacher zu ersetzen, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, ein Mountainbike-Schaltwerk zu montieren, falls eine deutlich grössere Übersetzungsbandbreite gewünscht ist.
Die tief angesetzten Sitzstreben sorgen für etwas Flex und Komfort am Heck, da ein grösserer Teil des oberen Sitzrohrs freiliegt. Dieses folgt – typisch für Cervelo Aero-Velos – der Rundung des Hinterrads. Es umschliesst die Reifenbreite, lässt aber dennoch ausreichend Freiraum. 
 
Spezifikationen
Das getestete Einstiegsmodell mit der SRAM Rival AXS Ausstattung liegt preislich bei ca. 5'000 CHF. Gegen einen Aufpreis von rund 680 CHF gibt es die Reserve 40/44TA GR Carbon-Laufräder dazu – ein durchaus lohnendes Upgrade für alle, die das Velo für schnelle Renneinsätze nutzen möchten. 
Mit einem 40-Zähne-Kettenblatt und einer 11-44 12-fach-Kassette bietet es eine ausreichende Bandbreite für Rennen. Wer jedoch viele steile Offroad-Anstiege fährt oder Bikepacking-Touren plant, sollte vorne vielleicht ein kleineres Kettenblatt wählen. Leider ist die günstigere SRAM APEX D1 Kassette mit einer Shimano HG-Verzahnung verbaut. Das ist zwar praktisch, wenn man bereits entsprechende Laufräder besitzt, bedeutet aber auch ein höheres Gewicht. Zudem fehlt das 10-Zähne-Ritzel, das bei XDR-Freiläufen für eine grössere Übersetzungsbandbreite sorgt. 
 
(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Das Velo wird mit einem Standardlenker und -vorbau geliefert. Die Kabel verlaufen unterhalb des Lenkers, werden unter dem Vorbau eingeklippt und führen am Steuersatz in den Rahmen. Das ist eine saubere Lösung und macht den Wechsel der Vorbaulänge zur Anpassung der Sitzposition wesentlich einfacher als bei einem voll integrierten System.
Der Lenker ist der hervorragende Carbon-Lenker AB09. Er punktet mit einem bequemen, flachen Oberlenker und einem 16-Grad-Flare (Ausstellung). Manchen Fahrern dürfte die serienmässige Breite von 40 cm (gemessen an den Bremsgriffen) jedoch etwas zu breit sein.
 
(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Die Laufräder stammen von Reserve, genauer gesagt handelt es sich um das Modell 30GR AL. Mit 30 mm tiefen Felgen und einer Innenbreite von 27 mm gelten sie als unkomplizierter, absolut robuster Laufradsatz. Das Gewicht von 1.645 g ist in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Dafür bieten sie die lebenslange Garantie von Reserve, was zusätzliche Sicherheit gibt.
Die Reifenbreite hat sich im Vergleich zu früheren Versionen vergrössert: Vorne und hinten sind 45 mm breite WTB Vulpine TCS montiert. Eine besondere Erwähnung verdienen auch die Tubeless-Ventile. Normalerweise gehören Ventile nicht zu den spannendsten Komponenten, doch die hier verbauten Fillmore-Versionen lassen beim Aufpumpen ein viel grösseres Luftvolumen durch. Das macht selbst knifflige Tubeless-Setups zum Kinderspiel – ein Design, das sich im Mountainbike-Bereich bereits vielfach bewährt hat. 
Bei der Sattelstütze handelt es sich um ein gerades Carbon-Modell ohne Offset, auf dem der Prologo Nago R4 PAS Sattel mit Stahlstreben thront. Der Sattel mit seiner kürzeren Nase erweist sich für viele als bequemer und passender als die älteren, kantigeren Modelle. Letztendlich bleibt die Sattelwahl natürlich immer eine persönliche Präferenz. 
 
(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)

Passend zu den sportlichen Ambitionen orientiert sich die Geometrie des Aspero stark an einem Rennvelo. Die Werte ähneln dem Endurance-Modell Caledonia der Marke, allerdings ist das Oberrohr länger. Es ist so konzipiert, dass es mit einem kürzeren Vorbau kombiniert wird – ein Setup, das aus dem Mountainbike-Bereich übernommen wurde. Das gibt dir mehr Bewegungsfreiheit, um dein Gewicht im oder aus dem Sattel optimal zu verlagern.
Bei der getesteten 56-cm-Version beträgt der Stack 580 mm und der Reach 397 mm. Das ist 7 mm tiefer, aber 13 mm länger als beim Pinarello Dogma GR (in Grösse 54,5) und 2 mm tiefer sowie 9 mm kürzer als beim entsprechenden Dark Matter von Argon 18.
Der Sitzwinkel von 73 Grad und der relativ steile Lenkwinkel von 72 Grad erinnern ebenfalls an ein All-Road- oder Endurance-Rennvelo. Auch der Radstand ist mit 1.027 mm etwas kürzer, als man es von gemütlicheren Gravelbikes erwarten würde. Alles in allem wird deutlich: Dieses Gravelbike wurde entwickelt, um sich für erfahrene Rennvelo-Fahrer schnell und vertraut anzufühlen. 
 
Leistung
Im Vergleich zu anderen Aero-Gravelbikes sieht das Aspero deutlich weniger aggressiv aus. Vielmehr erinnert es an sein Endurance-Pendant für die Strasse, das Caledonia. Die klaren Linien, das schlichte Design und die auffällige Farbe in Ringelblumengelb (Marigold) sind echte Hingucker. Der Aufbau gestaltet sich dank Standardlenker, Vorbau und Sattelstütze denkbar einfach, sodass auch die Sitzposition rasch eingestellt ist.
Die erste Version wurde oft als ein R3 fürs Gelände beschrieben, und man fühlt sich auf dem Aspero sofort wohl. Ein kleiner Kritikpunkt für Fahrer, die eine sehr sportliche Position bevorzugen: Die hohe 30-mm-Steuersatzkappe limitiert, wie tief man den Lenker setzen kann. Wer eine extrem aerodynamische Rennhaltung benötigt, sollte dies im Hinterkopf behalten. 
 
(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)
 
Wer schon einmal ein Cervelo-Rennvelo gefahren ist, wird das Fahrgefühl hier als sehr vertraut empfinden. Es fährt sich viel mehr wie ein Rennvelo als andere, abenteuerorientierte Bikes. Ob das ein Vorteil ist, hängt davon ab, auf welchem Terrain du dich hauptsächlich bewegst. Für schnelle, flüssige Schotterpassagen ist es eine extrem flotte, überraschend komfortable Maschine mit präzisem Handling.
Präzises Handling bedeutet hier nicht, dass das Velo nervös wirkt. Es reagiert vielmehr hervorragend auf schnelle Lenkimpulse und Richtungswechsel. Das rennveloähnliche Fahrverhalten ist besonders in Gruppenfahrten ein echter Vorteil: Schnelle Linienwechsel, um Steinen und Schlaglöchern auszuweichen, gelingen besser als mit einem Velo, das einen flacheren Lenkwinkel und ein trägeres Handling aufweist. 

(Bildnachweis: Future / Kate Hunneysett)
 
Auf ebenem Untergrund bleibt es auch bei hohen Geschwindigkeiten stabil. Auf sehr steinigen Pfaden kann es etwas unruhig werden, allerdings nicht mehr als andere sportliche Gravelbikes. Die montierten Reifen eignen sich bestens für unterschiedliches Terrain. Wer jedoch häufig auf hängenden Abschnitten oder in flachen, schlammigen Kurven unterwegs ist, könnte vorne einen Reifen mit kantigerem Profil bevorzugen. Da die Reifenwahl jedoch stark von der Region und dem Wetter abhängt, ist dies nur eine Randnotiz.
Was besonders überrascht, ist der hohe Komfort angesichts der klaren Rennausrichtung. Es bietet zwar nicht das extrem gedämpfte Fahrgefühl eines hochwertigen Titan- oder Stahlrahmens, aber es ist bei Weitem nicht so hart oder ruppig, wie man vielleicht erwarten würde. Das liegt zum Teil am Wechsel von 40-mm- auf 45-mm-Reifen, am Carbon-Lenker, der Vibrationen an den Händen dämpft, sowie am überarbeiteten Carbon-Layup. All das sorgt in der Kombination für ein sehr ruhiges und geschmeidiges Fahrverhalten.
Der Wechsel auf einen Carbon-Laufradsatz macht beim Aspero jedoch einen grossen Unterschied. Die 30 GR AL sind zwar ein guter, solider Laufradsatz – und wer dazu neigt, Laufräder regelmässig an ihre Grenzen zu bringen, wird sich über die lebenslange Garantie freuen. Sie bringen jedoch etwas mehr Gewicht auf die Waage und schöpfen das wahre Potenzial des Velos nicht voll aus. Wenn das Budget es zulässt, empfiehlt sich das nächsthöhere Modell für ca. 5'700 CHF, um das volle High-Speed-Erlebnis auszukosten. 
 
Preis-Leistungs-Verhältnis
Mit einem Preis von rund 5'000 CHF bietet es ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Race-Gravelbike. Obwohl das natürlich nicht günstig ist, schlägt es sich im Vergleich zur Konkurrenz sehr gut. Die meisten Aero-Gravelbikes bewegen sich im absoluten Premiumsegment und bringen für den Offroad-Einsatz oft Kompromisse mit sich – wie beispielsweise eine geringe Reifenfreiheit oder umständliche, proprietäre Cockpits. All diese Einschränkungen sucht man bei diesem Velo vergeblich.
Was die Konkurrenz betrifft, besetzt es eine Marktnische mit wenigen echten Rivalen, da sich die meisten Aero-Race-Velos im oberen Preissegment befinden. Dennoch gibt es ein paar bemerkenswerte Alternativen in dieser Preisklasse. Da wäre zunächst das 3T Primo 2 WPNT, das über ähnliche Aero-Features verfügt und mit SRAM Rival-Ausstattung und Alu-Laufrädern bei etwa 4'750 CHF liegt. Obwohl es etwas günstiger ist, übertrumpft es das Cervelo leicht, da es bereits mit der neuesten SRAM XPLR 13-Gang-Schaltung ausgestattet ist. Diese bietet eine grössere Übersetzungsbandbreite und das moderne T-Type-Schaltwerk-Befestigungssystem – ein klarer Vorteil gegenüber der Standard-12-Gang-Version.
Ein weiteres Gravelbike mit aerodynamischen Merkmalen ist das Wilier Rave, das in einer GRX 1X-Version für rund 4'300 CHF angeboten wird. Es ist zwar deutlich günstiger und dank einer Reifenfreiheit von bis zu 52 mm im Gelände potenziell leistungsfähiger. Allerdings musst du auf die elektronische Schaltung der SRAM Rival-Gruppe verzichten und erhältst einen etwas einfacheren Alu-Laufradsatz. 
Insgesamt nimmt das Aspero in Bezug auf Preis und Design eine Sonderstellung ein. Es bietet ein rasantes Fahrgefühl zu geringeren Kosten als viele andere Race-Velos, die dieses Jahr auf den Markt gekommen sind, bleibt dabei aber vielseitig genug für verschiedenste Gravel-Touren. Es ist ein Velo, das sich uneingeschränkt empfehlen lässt – perfekt für alle, die eine schnelle Offroad-Maschine suchen, deren Fahrgefühl sich für Rennvelo-Fahrer sofort vertraut anfühlt. 
 
Fazit
Angesichts der Tatsache, wie stark sich die Ansprüche und Erwartungen von Gravel-Fahrern seit der ersten Generation verändert haben, durfte man gespannt sein, ob das neue Aspero mithalten kann. Die Sorge ist jedoch unbegründet. Dank seiner subtilen Änderungen und Optimierungen ist es nach wie vor ein äusserst relevantes, schnelles und überraschend geschmeidiges Velo. Für extrem grobes Gelände und ausgedehnte Bikepacking-Abenteuer gibt es sicherlich bessere Alternativen. Aber wenn Geschwindigkeit dein oberstes Ziel ist, gehört dieses Velo definitiv in die engere Wahl.

Autor
Neal Hunt:
Neal hat sein gesamtes Berufsleben in der Velobranche verbracht, angefangen als Aushilfskraft in seinem örtlichen Fahrradgeschäft bis hin zu verschiedenen Positionen bei globalen Marken. In dieser Zeit hat er sich ein fundiertes Wissen und eine grosse Leidenschaft für alles Technische angeeignet. Er lebt in Sheffield, Großbritannien, und ist, wann immer er kann, mit den unterschiedlichsten Velos auf den fantastischen Strassen und Trails der Region unterwegs.

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