Da ich in meiner Freizeit meistens Enduro-Bikes fahre, fühlte sich der Wechsel auf ein leichteres Trail-Bike mit weniger Federweg anfangs wie ein Wagnis an. Aber vielleicht ist das genau die Art von Velo, die ich eigentlich fahren sollte. Ein echter Allrounder, mit dem man entspannt Kilometer sammeln kann, der sich aber auch nicht scheut, es richtig krachen zu lassen, wenn es darauf ankommt.
In meiner glücklichen Position darf ich jedes Jahr viele Velos testen. Da meine Wurzeln aber fest im Downhill-Bereich liegen, habe ich mich meistens für Enduro-Bikes mit mehr Federweg entschieden. Mit einem Carbonrahmen, Fox Performance Elite Gabel und Dämpfer, SRAM Maven Bremsen und der neuesten GX Eagle AXS Transmission Schaltung gibt es an der Expert-Version des Stumpjumper 15 vieles, das gefällt.
Aber wie lebt es sich damit im Alltag?

Der Vertrieb Extra UK schickte mir ein paar der neuen Maxxis High Roller III Reifen mit DoubleDown-Karkasse. Ich weiss, dass diese Karkasse ordentlich robust ist und mit weniger Druck gefahren werden kann – ideal für meine 68 kg (inklusive Ausrüstung).
Das einzige Problem ist, dass beide Reifen die weiche MaxxGrip-Gummimischung haben, die relativ langsam rollt. Normalerweise fahre ich einen solchen Reifen am Vorderrad, aber auch hinten einen Reifen mit so viel Grip zu haben, macht das Klettern mühsam. Das fühlt sich noch schlimmer an, wenn man mit Leuten auf E-MTBs unterwegs ist, wie kürzlich bei einem Foto-Shooting. Glücklicherweise bin ich hart im Nehmen, also hoffe ich, dass mich die zusätzliche Anstrengung zumindest fitter macht.
Abgesehen von den Reifen habe ich nicht viel am Stumpy verändert. Da ich schon früh mit dem Fox Genie-Dämpfer experimentiert hatte, musste ich nur noch den Sag (Negativfederweg) einstellen und konnte direkt losfahren. Ähnlich unkompliziert war es bei der Gabel.
Ich glaube, ich bekomme demnächst eine neue Umlenkwippe, mit der ich auf ein 27,5-Zoll-Hinterrad ("Mullet") umrüsten und ein paar sehr interessante e*thirteen-Laufräder montieren kann, die schon eine Weile in der Werkstatt stehen. Ich bin wirklich gespannt darauf, diese zu testen.
Die einzige andere Bastelei bestand darin, die Ausrichtung der Kettenführung/des Bashguards (Schlagschutz) so zu ändern, dass das Kettenblatt geschützt ist, wenn ich mit dem rechten Fuss vorne fahre. Das lässt sich superschnell und einfach ändern und gibt einem einfach mehr Sicherheit, wenn man durch steinige Passagen rattert.
Zu den jüngsten Ausfahrten gehörten Touren in Südwales sowie Runden im Forest of Dean, wann immer es die Zeit zuliess. Ich will es nicht beschreien, aber das Wetter war in letzter Zeit unglaublich gut und die Bodenverhältnisse einfach fantastisch. Ich geniesse es sehr, nicht nach jeder Fahrt Velo und Ausrüstung abspritzen zu müssen. Doch so praktisch das auch ist – das Gefühl, mit voller Wucht in eine Kurve zu brettern, während sich die Reifen förmlich in den Boden krallen, zaubert mir wirklich ein Lächeln ins Gesicht.

Das eigentliche Ass im Ärmel des Stumpjumper 15 ist jedoch der neue Fox Float Dämpfer, der Specializeds GENIE-Technologie nutzt, um die 145 mm Federweg am Heck zu kontrollieren. Durch zwei Positiv- und eine Negativ-Luftkammer wird hier auf clevere Weise eine Art Dual-Luftfeder geschaffen. Beide Kammern lassen sich mithilfe von Volumenspacern abstimmen. Während die grössere, äussere Kammer das Verhalten auf den ersten 70 Prozent des Federwegs bestimmt, ist die kleinere Kammer am Dämpferauge für die restlichen 30 Prozent zuständig.

Specialized hat den Dämpfer aus bestehenden Fox-Dämpferteilen konstruiert. Einzigartig sind nur die Volumenspacer, die mit dem Velo geliefert werden. Das bedeutet, dass ein Service oder Arbeiten am Dämpfer (entsprechendes Werkzeug und Know-how vorausgesetzt) unkompliziert sein sollten.
Obwohl Specialized verschiedene Federungssysteme getestet hat, hält man am bewährten Viergelenker-Design (Horst-Link) fest, weil es einfach alles, was verlangt wird, extrem gut macht.

Es gibt hier viele Einstellmöglichkeiten, sodass man die Winkel nach Lust und Laune anpassen kann. Dank abgewinkelter Steuersatzschalen stehen drei Lenkwinkel mit jeweils 1 Grad Unterschied zur Auswahl. In der mittleren Einstellung lag mein Lenkwinkel nahe an den angegebenen 64,5 Grad, der Sitzwinkel bei rund 78 Grad (Sattel auf meiner bevorzugten Höhe).
Ein Flip-Chip am Horst-Link-Drehpunkt verändert die Kettenstrebenlänge um 6 mm und die Tretlagerhöhe um 7 mm. Mein Testvelo in Grösse S3 hat einen Reach von 450 mm, eine Kettenstrebenlänge von 435 mm und eine Tretlagerhöhe von 335 mm.
| S1 | S2 | S3 | S4 | S5 | S6 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrwinkel (Grad) | 77 | 76.5 | 77 | 76.9 | 77.3 | 77.6 |
| Steuerrohrwinkel (Grad) | 64.5 | 64.5 | 64.5 | 64.5 | 64.5 | 64.5 |
| Kettenstrebe (mm) | 430 | 432 | 435 | 435 | 445 | 445 |
| Sitzrohr (mm) | 385 | 385 | 405 | 425 | 445 | 465 |
| Oberrohr (mm) | 541 | 573 | 595 | 624 | 647 | 677 |
| Steuerrohr (mm) | 95 | 100 | 110 | 125 | 140 | 155 |
| Gabelversatz (mm) | 44 | 44 | 44 | 44 | 44 | 44 |
| Spur (mm) | 129 | 130 | 130 | 130 | 130 | 130 |
| Tretlagerabsenkung (mm) | 41 | 38 | 38 | 38 | 38 | 38 |
| Tretlagerhöhe (mm) | 334 | 337 | 337 | 337 | 337 | 337 |
| Radstand (mm) | 1149 | 1181 | 1213 | 1244 | 1285 | 1322 |
| Überstand (mm) | 738 | 751 | 745 | 745 | 745 | 751 |
| Stapel (mm) | 608 | 618 | 627 | 640 | 654 | 667 |
| Reichweite (mm) | 400 | 425 | 450 | 475 | 500 | 530 |
| Gabellänge (mm) | 551 | 561 | 561 | 561 | 561 | 561 |
| Vordere Mitte (mm) | 720 | 751 | 780 | 812 | 843 | 879 |
| Maximaler Einschub der Sattelstütze (mm) | 245 | 245 | 255 | 255 | 285 | 285 |
| Mindesteinschub der Sattelstütze (mm) | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 |

Specialized steuert eine Vielzahl eigener Komponenten bei, darunter Lenker, Vorbau und Sattel. Die Griffe stammen jedoch von Deity und sind ein echtes Highlight. Ich werde sie so schnell nicht austauschen.
Was ich allerdings austauschen werde, sind die Reifen. Die Kombination aus Butcher und Eliminator ist zwar hervorragend, aber die hier verwendeten, leichteren Grid Trail Karkassen bremsen das Stumpjumper 15 etwas aus. Man muss den Druck erhöhen, um sicherzustellen, dass sie in schnellen Kurven ihre Form behalten. Es ist toll, dass sie so schnell rollen und ordentlich Traktion bieten, aber ich wünsche mir etwas Robusteres.
Spezifikationen im Detail:
- Rahmen: FACT 11m Carbon
- Gabel: Fox Float 36 Performance Elite
- Dämpfer: Fox Float Performance Elite
- Kurbelgarnitur: SRAM GX Eagle, 32-Zähne-Kettenblatt
- Tretlager: SRAM DUB, BSA 73 mm breit, geschraubt
- Kassette: SRAM GX Eagle Transmission, 12-fach, 10-52 Zähne
- Kette: SRAM GX Eagle Transmission Flattop
- Schaltwerk: SRAM GX Eagle Transmission
- Schalthebel: SRAM AXS POD Controller
- Laufräder: Roval Traverse, hakenloses (hookless) Aluminium
- Reifen: Butcher, Grid Trail Karkasse, Gripton T9 Gummimischung (Vorne) / Eliminator, Grid Trail Karkasse, Gripton T7 Gummimischung (Hinten)
- Vorbau: Alloy Trail, 35 mm Klemmmass
- Lenker: Specialized, 6000er Aluminium
- Griffe: Deity Lockjaw
- Sattel: Bridge Comp, hohle Cr-Mo-Streben
- Sattelstütze: PNW Loam Dropper (absenkbar)
- Bremsen: SRAM Maven Bronze / HS2 Bremsscheiben 200 mm

Anfangs war ich etwas nervös, da ich dachte, der fehlende Federweg und die robusteren Komponenten könnten mich einbremsen, aber jetzt, da ich das Stumpjumper 15 fahre, weiss ich, dass diese Sorgen unbegründet waren.

Die Gabel wurde nach meinen Vorlieben eingestellt, was auch bedeutete, alle Dämpfungsrädchen komplett aufzudrehen. Mir ist aufgefallen, dass die aktuelle Fox-Gabel-Reihe ziemlich stark gedämpft ist, und bei meinem Gewicht von 68 kg muss ich die Druckstufen komplett herausdrehen, damit die Gabel schnell genug arbeitet.

Nachdem ich fast jede erdenkliche Spacer-Kombination ausprobiert hatte, kehrte ich schliesslich zum Werks-Setup zurück – mit nur einem Spacer in der Luftkammer und dem 0,2-Zoll-Spacer im Dämpferauge. In dieser Konfiguration fühlt sich das grüne Geschoss ordentlich sensibel an, bietet mir aber immer noch genügend Gegenhalt, um mich aktiv pushen zu können und Geschwindigkeit aufzubauen. Zum Glück gibt es ausreichend Endprogression für harte Landungen, wenn es doch mal etwas ruppiger wird.
Ansonsten fühlt sich die Fox 36 Gabel mit 150 mm Federweg nicht so fehlerverzeihend an, wie sie könnte. Ich bin mir nicht ganz sicher, was mit den Fox-Gabeln aktuell los ist. Ich hatte in den letzten Monaten einige sehr gute, aber auch weniger gute Exemplare, was schade ist, da ich weiss, wie gut die Dämpfung in einer optimal gewarteten Gabel funktioniert. Hoffentlich wird diese Gabel mit der Zeit noch etwas geschmeidiger. Andernfalls steht ein Service an.
Auch wenn der grüne Carbonrahmen für manche vielleicht etwas zu grell ist – mir gefällt er sehr gut. Das Reinigen erfordert etwas mehr Sorgfalt und es erweist sich als schwierig, ihn wieder makellos sauber zu bekommen, aber er fällt definitiv auf.

Ich finde es klasse, dass Specialized die brachialen Maven Bronze Bremsen spezifiziert – etwas, womit nicht alle Trail-Bikes prahlen können. Die Reifen werde ich mit Sicherheit gegen robustere tauschen, auch wenn das etwas mehr Gewicht bedeutet. Etwas Strapazierfähigeres und weniger Empfindliches wird den Einsatzbereich auf Trails vergrössern, und ich werde mit weniger Sorgen fahren können, wenn es mal rumpelig oder felsig wird.
Doch selbst ohne diese kleinen Anpassungen bin ich jedes Mal begeistert, wenn ich ein Bein über die grüne Maschine schwinge. Es lässt sich kinderleicht fahren und ist unglaublich fähig. Das wird ein grossartiges Jahr auf dem Stumpjumper 15 Expert.




