Bromptons Electric G Line: Ein fahrspassiges Pendler-Velo, das dich überallhin begleitet
Ein neues Modell der britischen Ikone ist charmant, eigenwillig und praktisch - aber teuer. Vor allem aber macht es Spass
Veröffentlicht vor 2 Tagen
Bromptons Electric G Line: Ein fahrspassiges Pendler-Velo, das dich überallhin begleitet
Kommt ein Faltvelo mit den Strapazen von löchrigen, SUV-dichten Strassen zurecht? Und ist so ein Konzept im Alltag wirklich praktisch?
Es macht definitiv Spass, das Brompton aufzubauen und die erste Runde zu drehen, als es in seiner kompakten Kartonschachtel an der Haustür ankam. Während die meisten Bromptons 16-Zoll-Räder und Felgenbremsen nutzen, setzt das Electric G Line auf grössere 20-Zoll-Räder, breite Reifen und Scheibenbremsen. Und – wie der Name bereits verrät – auf Akku und Motor. Für wen ist das Electric G Line gedacht? Brompton beschreibt die Zielgruppe als «urbane Pendlerinnen und Pendler, die Portabilität schätzen – also Diebstahl vermeiden, das Velo im Zug oder Auto mitnehmen – sowie als abenteuerlustige Fahrende, die es fürs Reisen mit Auto, Zug oder Campervan zusammenfalten und in der Freizeit auf Gravel und Asphalt unterwegs sein wollen».
Spezifikationen:
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Rahmenmaterial: Stahl
Grössen: S, M, L
Preis: ca. CHF 4'450.-
Motor: 250-Watt-Hinterradnabenmotor mit Drehmomentsensor
Gewicht: 42,5 lbs, wie getestet
Farben: Traildust White, Adventure Orange, Forest Green
Reichweite: 30-60 km (ungefähr)
Zertifizierung: UL 2849 Standard
Design und Konstruktion
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Wie bei jedem Velo von Brompton ist das auffälligste Merkmal des Electric G Line die Möglichkeit, es auf ein kompaktes Mass zusammenzufalten. Ein Velo zu bauen, das sich falten lässt, bringt allerdings mehrere technische Herausforderungen mit sich – besonders beim Verlegen von Zügen und Kabeln. Damit alles über Scharniere sauber funktioniert, braucht es präzise Konstruktion und Montage. Zusätzlich muss der Antrieb nicht nur Motor und Akku integrieren, sondern auch ein Schaltsystem. Entsprechend wirkt das Brompton optisch recht «busy»: Überall finden sich Kabel, Leitungen, Stecker und Ähnliches.
Ein Teil der Verkabelung ist für die integrierte Beleuchtung vorgesehen, die für den Stadtalltag wichtig ist. Licht und Unterstützungsstufen lassen sich über ein Display am Lenker steuern; die dazugehörigen Tasten sitzen direkt oben auf dem Akku. Brompton bietet zudem eine Begleit-App an, mit der Nutzerinnen und Nutzer die Performance überwachen können.
Der 250-Watt-Nabenmotor ist mit einem von Brompton entwickelten Viergang-Schaltwerk hinten kombiniert, vorne arbeitet ein einzelnes Kettenblatt. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen von Tektro. Als Bereifung kommen Schwalbe G-One Allround zum Einsatz – 2,1 Zoll breit. Brompton hat das Velo als Class-1-E-Bike ausgelegt, das heisst: Die Tretunterstützung ist auf 32 km/h (20 mph) begrenzt. Einen Gashebel gibt es nicht.
Das Velo ist in drei Grössen erhältlich, die laut Brompton Fahrerinnen und Fahrer von 5' bis 6'6" (ca. 152 bis 198 cm) abdecken sollen. Im Test kam Grösse M zum Einsatz; empfohlen wird sie für 5'6" bis 6' (ca. 168 bis 183 cm). Weil die Geometrie rund um 20-Zoll-Räder konstruiert ist, lässt sie sich nicht einfach mit einem klassischen Diamantrahmen vergleichen. Brompton stellt dafür auf der Website eine Video-Anleitung zur Grössenwahl sowie Stack- und Reach-Werte für alle Grössen bereit.
Der 345-Wh-Akku sitzt in einer Tasche, die vorne unterhalb des Lenkers eingeklickt wird. In der Tasche bleibt ausserdem noch etwas Platz für zusätzliche Gegenstände – die Zuladung ist allerdings begrenzt.
Das Electric G Line kommt serienmässig mit Schutzblechen und einem Gepäckträger. Der Gepäckträger hat kleine integrierte Räder, damit sich das Velo im gefalteten Zustand rollen lässt – eine praktische Hilfe bei knapp über 20 kg Gewicht. Brompton gibt drei Jahre Garantie auf die elektrischen Systeme und sieben Jahre auf den Rahmen. Velos sind direkt bei Brompton oder über das Händlernetz erhältlich.
Fahreindruck
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Vor den ersten Erledigungen in der Stadt lag die Erwartung nahe, dass ein Faltvelo für Spott sorgen könnte. In der Praxis passierte das Gegenteil: Statt Häme gab es neugierige Fragen. «Was ist das?» «Wie funktioniert das?» «Kannst du zeigen, wie es sich faltet?»
Viele waren zudem überrascht, dass sich das Velo nicht nur in der Mitte zusammenklappen lässt, sondern auch noch einen Motor hat. Die Funktionsliste ist eindrücklich – und trotzdem wirkt das Ergebnis nicht verbissen, sondern spielerisch. Vor allem bleibt es ein Velo, das sich «nebenbei» zusammenfalten lässt.
Der Grossteil der Fahrten fand auf Stadtstrassen statt, dazu kamen gezielte Ausflüge abseits des Asphalts. Die breiten Reifen prägen das Fahrverhalten deutlich: Sie bringen Komfort, Stabilität und Traktion – und bieten im Vergleich zu schmaleren Reifen mehr Pannenschutz.
Breite Reifen sind grundsätzlich ein Plus, bei kleinen Rädern aber besonders, weil sie den pneumatischen Nachlauf erhöhen und damit das Vorderrad spürbar berechenbarer machen. Selbst mit 2,1-Zoll-Reifen bleibt die Front im Vergleich zu Velos mit grösseren Rädern etwas nervöser, aber nach kurzer Eingewöhnung fühlt sich das sehr angenehm an. Insgesamt fährt sich das Velo verspielt und lädt zum Spasshaben ein – trotz des stattlichen Gewichts von über 19 kg.
Das Falten und Entfalten braucht ein paar Versuche – es gibt definitiv eine Lernkurve. Sobald die Abfolge sitzt und klar ist, wie alles ineinandergreift, lässt sich das Velo aber überall mit gutem Gefühl zusammenlegen.
Wer nicht täglich mit dem Zug zur Arbeit pendelt, nutzt ein Brompton oft vor allem für Erledigungen. Angenehm ist dabei, dass du kein Schloss mitschleppen musst – und noch besser: Diebstahl ist kaum ein Thema, weil das Velo die ganze Zeit bei dir bleibt. Klar, Einkaufen ist mit einem Velo – selbst zusammengefaltet – weiterhin etwas umständlich. Für Post, Gym oder Meetings lässt es sich jedoch gut an einem unauffälligen Ort abstellen. Nicht jedes Büro ist velofreundlich, aber ein Brompton ist so kompakt, dass es problemlos unter einem Pult Platz findet.
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Die Position des Akkus vorne am Velo ist ungewöhnlich. Dieser Entscheid erlaubt es Brompton aber, die Bedienelemente direkt am Akku zu platzieren – gut erreichbar vom Sattel aus. Unterstützungsstufe und Licht-Einstellungen sind sichtbar, ebenso der Ladestand. Positiv überrascht hat, wie lange der Akku bei den Fahrten durchhielt – selbst bei voller Unterstützung.
Weniger überzeugend ist, dass der Akku zum Laden entfernt werden muss – und dass die Ladebuchse unten sitzt, was unpraktisch ist. Sinnvoller wäre ein Ladeport, der ohne Herausnehmen des Akkus zugänglich ist.
Auch die Akkuaufnahme dürfte aus Sicht des Tests robuster sein. Während der Testzeit gab es keine Probleme, doch bei wiederholtem Rütteln – besonders auf unbefestigten Wegen – könnte der Mechanismus unnötig belastet werden und langfristig versagen.
Bei wiederholtem Falten und Entfalten löste sich einmal eine Steckverbindung. Dadurch kommunizierte der Drehmomentsensor nicht mehr mit dem Motor, und die Unterstützung fiel aus. Das war zwar schnell behoben, aber die Fehlerbehebung rund um die vielen Kabel und Leitungen könnte einfacher sein. Über die Blinksequenz liess sich erkennen, dass der Fehler mit dem Drehmomentsensor zusammenhing – zur Lösung brauchte es dennoch Unterstützung von Brompton.
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Ebenfalls trat auf, dass der Schaltzug hinten aus dem angelöteten Anschlag rutschte. Das brachte die Schaltung durcheinander und erforderte eine Nachjustierung. Wer nicht viel Schrauber-Erfahrung hat, würde so etwas womöglich nicht sofort bemerken oder reparieren können – hier gäbe es Potenzial für Verbesserungen. Trotz dieser Punkte bleibt der wichtigste Eindruck vom Electric G Line: Es macht extrem viel Spass zu fahren. Im Alltag führt das schnell dazu, dass Erledigungen plötzlich mit zusätzlichen Schleifen verbunden werden – einfach weil sich das Velo so unkompliziert mitnehmen lässt. Offen bleibt, wie sich im täglichen Pendelbetrieb mehr Gepäck transportieren liesse (Brompton verkauft dafür diverse Taschen und Lösungen). Für die eigenen Bedürfnisse reichte die Kombination aus einem kompakten Rucksack und der Fronttasche jedoch aus.
Preis-Leistung und Fazit
(Bildnachweis: Tyler Boucher)
Wenn du täglich mit Zug oder Bus unterwegs bist, ist das Electric G Line eine starke Option, um bequem und effizient von A nach B zu kommen. Es braucht etwas Übung, um das Velo schnell zu falten, aber sobald du die Reihenfolge im Griff hast, läuft das routiniert.
Abgesehen von den kleineren Themen bei der Fehlerbehebung, die sich wohl auch durch die schiere Komplexität eines elektrischen Faltvelos mit integrierter Beleuchtung erklären lassen, bleibt die grösste Kritik der Preis. Für alle, die das aktuell beste elektrische Faltvelo suchen, ist das Electric G Line eine sehr überzeugende Option. Tern und Dahon bauen ebenfalls sehr gute Faltvelos – und es gibt auch deutlich günstigere Alternativen. Der nächstliegende Konkurrent ist Terns Vektron S10: ebenfalls mit 20-Zoll-Rädern und Scheibenbremsen, allerdings mit Bosch-Mittelmotor. Das Tern ist schwerer und lässt sich nicht so kompakt falten wie das Electric G Line, ist dafür aber deutlich günstiger mit ca. CHF 3'200. Bromptons neues Modell ist sehr leistungsfähig – der Preis ist für viele Pendlerinnen und Pendler aber wohl einen Tick zu hoch.
Bild 1 von 5 (Bildnachweis: Tyler Boucher)
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Autor
Tyler Boucher: Tyler Boucher ist ehemaliger (und gelegentlich noch aktiver) Velorennfahrer in mehreren Disziplinen. Heute sitzt er die meiste Zeit im Sattel, um seine Kinder auf einem Lastenvelo herumzufahren. Seine Texte sind in Magazinen in Europa, Grossbritannien und Nordamerika erschienen. Er lebt in Seattle, Washington.
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