Specialized Diverge 4 Expert im Test: Gross, federnd und wunderbar zu fahren im richtigen Kontext
Viel Reifenfreiheit, riesiger Stauraum und grosser Spass, auch wenn es auf der Strasse etwas träge wirkt.
Veröffentlicht vor etwa 13 Stunden
Specialized Diverge 4 Expert im Test: Gross, federnd und wunderbar zu fahren im richtigen Kontext
Technische Daten: Specialized Diverge 4 Expert
Preis: ca. CHF 5'900.–
Gewicht: 8.9kg
Laufräder: Roval Terra Carbon, 25mm Innenweite
Grössen: 49-61
Schaltgruppe: SRAM Rival XPLR
Farben: Türkis, Dunkellila
Das Diverge wurde oft als die sichere "Standardwahl" angesehen. Kompetent, aber vielleicht etwas unspektakulär. Doch dieser Eindruck täuscht. Auch wenn es gesprächstechnisch vielleicht nicht die exotischste Wahl ist, ist es ein sehr, sehr gutes Velo. Nachdem wir viele "Do-it-all"-Gravelbikes gefahren sind, die sich wie Rennvelos anfühlen, war es erfrischend, ein Velo zu fahren, das klar für das Grobe optimiert ist. Es ist etwas weniger spritzig und etwas träger auf der Strasse, aber diese Kompromisse sind es wert, sobald der Untergrund auch nur mässig rau wird.
Bild 1 von 5 Das Gravelbike sieht super aus, auch wenn man gleich zu Beginn sagen muss, dass die 2,25-Zoll-Reifen zwar extrem cool aussehen, aber zu gross für das Velo sind. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 2 von 5 Selbst die Einstiegsgruppenschaltung von SRAM XPLR sind heutzutage so gut. Dieses Force-Setup ist ziemlich makellos. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 3 von 5 Auf trockenen Strecken kannst du eine 2,25"-Gabel einbauen, da sie sich nicht so stark biegt wie das hintere Ende, bei klebrigem Schlamm bist du jedoch in Gefahr. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 4 von 5 Um die Sitzstreben herum ist noch ziemlich viel Platz. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 5 von 5 Auch wenn integrierte Cockpits cool aussehen, schätze ich das separate System hier sehr. Die Form der Lenker gefiel mir zwar nicht besonders, aber die Tatsache, dass ich sie nach Belieben austauschen konnte, und die Tatsache, dass ich mehr Platz für Licht und Computer hatte, war ein grosses Plus für das Fahren im tiefen Winter. (Bildnachweis: Will Jones)
Design und Ästhetik
Der Gravel-Markt tendiert generell zu "mehr ist mehr". Mehr Reifen, mehr Dämpfung, mehr Spass. Während einige Velos diesen Trend ignorieren, um den Rennvelo-Charakter zu bewahren, bietet jedes neue Gravelbike meist breitere Reifen als das letzte – und das Diverge ist da keine Ausnahme.
Specialized hat die Reifenfreiheit hier auf offizielle 50 mm erhöht, mit 7 mm Platz um den Reifen. Laut Hersteller passen auch 2.2” Mountainbike-Reifen mit 4 mm Platz, allerdings riskiert man dabei den Lack. Im Test haben wir sogar 2.25” Maxxis Aspen Reifen montiert. Es ist zwar sehr eng, aber sie passen grösstenteils.
Das Diverge kommt in allen Ausstattungsstufen serienmässig mit 45 mm Specialized Tracer Reifen, die einen guten Eindruck machten. Wir wollten jedoch sehen, wie sich das Velo an den Grenzen seiner Möglichkeiten schlägt.
Neben mehr Platz für Reifen bietet das Diverge (sowohl dieses Carbon-Modell als auch die günstigeren Alu-Modelle) Stauraum im Unterrohr. Dieser Stauraum ist tatsächlich sehr geräumig und nützlich. Du kannst dort problemlos eine Jacke, Schläuche, ein Reparatur-Set, Reifenheber, ein Multi-Tool, CO2-Kartuschen oder eine Minipumpe, Autoschlüssel und mehrere Gels verstauen.
Vorne arbeitet das etablierte Future Shock 3.0 System. Die Premium-Modelle verfügen über einen einstellbaren Drehknopf, während dieses Mittelklasse-Modell eine feste Dämpfung bietet, die durch austauschbare Federn angepasst werden kann. Ehrlich gesagt vermisst man die Einstellbarkeit während der Fahrt kaum. Die Höhe der Front kann mit Spacern angepasst werden, aber einen komplett "tiefen" Look wirst du hier konstruktionsbedingt nicht erreichen.
Die Montage grösserer Reifen erforderte einige Geometrie-Anpassungen, wie längere Kettenstreben und eine längere, flachere Front, was durch kürzere Vorbauten ausgeglichen wird, um Stabilität im Gelände zu gewährleisten.
Das angegebene Gewicht beträgt 8.9 kg mit dem SRAM Rival XPLR Aufbau, wobei die Carbon-Laufräder das Gewicht niedrig halten. Mit grossen Reifen, Ersatzschläuchen und Dichtmilch steigt das Gewicht natürlich – unser Test-Setup lag bei 10.16 kg (inkl. Pedale und Werkzeug). Es wird nie die Leichtigkeit eines Specialized Crux erreichen, aber im Gelände ist das zweitrangig.
Bild 1 von 5 Der Future Shock macht die Mechanik zwar etwas komplizierter, aber wenigstens sind die Schläuche extern verlegt. (Bildnachweis: Will Jones)
Abbildung 2 von 5 Sie werden durch den Rahmen und die Gabelbeine geführt, aber nicht durch den Steuersatz. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 3 von 5 Auch wenn du den Slamming-Look nicht bekommst, ist der zusätzliche Druck auf der Vorderseite auf holprigem Terrain genial, da er sowohl die Ermüdungsfestigkeit als auch die Kontrolle erhöht. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 4 von 5 Die Bremsen von SRAM sind derzeit eine Klasse für sich, was bei der Wahl eines Velos fürs Gelände noch wichtiger ist. ( Bildnachweis: Will Jones)
Bild 5 von 5 Während ich auf der Strasse ein überzeugter Verfechter von 2x bin, kann ich die Vorteile von 1x für Schotter erkennen. (Bildnachweis: Will Jones)
Performance
Das Diverge ist im Gelände brillant. Auch wenn Federungssysteme am Gravelbike oft kritisch gesehen werden, ist das Future Shock System offroad unbestreitbar sehr gut. Tests zeigen immer wieder, dass "weicher" oft auch "schneller" bedeutet. Auf diesem Velo ist man abseits der Strasse oft schneller unterwegs als auf vielen anderen Gravelbikes.
Es ist erstaunlich, wie gut man von Stössen isoliert wird. Es gibt zwar Einbussen bei der Lenkpräzision, aber auf holprigem, nicht allzu technischem Terrain kannst du einfach über fast alles drüberrollen, ohne gross nachzudenken, und kommst am Ende deutlich weniger ermüdet an.
Das Cockpit besteht aus separatem Lenker und Vorbau, sodass du es leicht nach deinen Wünschen anpassen kannst. Mit einem progressiven Lenker könnte dieses Velo ein beeindruckendes Gravel-Race-Bike sein. Auch breite Flare-Lenker für grosse Lenkertaschen sind problemlos möglich (beachte dabei die Abstimmung der Future Shock Federung).
Beim Klettern fühlt sich das Diverge auf einfachen Abschnitten nicht so reaktionsschnell an wie leichtere Modelle. Auf technischem Terrain jedoch, das schon fast an Mountainbiking grenzt, ist es exzellent. Die längeren Kettenstreben verbessern die Traktion am Hinterrad, und breite Reifen bieten einfach mehr Grip.
Die Lenkpräzision könnte für einige ein Faktor sein. Viel Gummi und ein gefederter Lenker fühlen sich manchmal etwas schwammig an, aber für die meiste Zeit im Gelände – wofür du ein Diverge kaufst – wirst du froh über den Komfort sein. Streckenabschnitte mit vielen Schlaglöchern und Wurzeln werden deutlich entschärft.
Bild 1 von 7 Unter dem vorderen Flaschenhalter, der seitlich beladen wird, befindet sich ein kleines Multi-Tool. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 2 von 7 Darunter befindet sich ein grosser Stauraum, in dem einiges untergebracht werden kann. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 3 von 7 Auf dem Unterrohr ist bereits ein Kunststoffschutz angebracht. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 4 von 7 An der Unterseite befindet sich ein sperrigerer Protektor, an dem auch ein weiterer Flaschenhalter angebracht werden kann. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 5 von 7 Am hinteren Ende ist eine runde Sattelstütze angebracht, die für mehr Flexibilität sorgt, aber auch die Möglichkeit bietet, eine Dropper- oder Federsattelstütze zu montieren. (Bildnachweis: Will Jones)
Bild 6 von 7 Ausserdem gibt es eine externe Sattelklemme, so dass du nicht mit Keilen herumfummeln musst, die sich bei genügend Schmutz festsetzen können. (Bildnachweis: Will Jones)
Abbildung 7 von 7 Die Kettenstreben sind der limitierende Schritt für die Reifenfreiheit. Ein 2,25-Zoll-Reifen mit niedrigem Profil passt gerade noch durch, wenn das Velo stillsteht, aber wenn du richtig Gas gibst, freundet sich der Reifen mit deinem Lack und schliesslich mit dem Carbon an. (Bildnachweis: Will Jones)
Kurz zu den Reifen: Du kannst 2.25” Reifen montieren, aber du solltest es eher nicht tun. Es fährt sich grossartig, aber der Abstand ist zu gering für ein stressfreies Fahren. 2.1” Reifen bieten fast denselben Spass, ohne dass du dir Sorgen um den Rahmen machen musst.
Auf der Strasse fühlt sich das Velo etwas träger an als ein Crux oder ein Rennvelo. Da Gravel-Touren in der Schweiz oft auch Asphalt beinhalten, ist das zu bedenken. Aber der Kompromiss lohnt sich, um im Gelände wirklich Spass zu haben. Wenn du ein Velo willst, das auf Asphalt glänzt, kauf dir ein Rennvelo.
Die SRAM Rival Schaltgruppe hat im Test überzeugt, besonders die Bremsen. Ein technischer Hinweis: Die Lager der Schaltröllchen neigen bei SRAM dazu, bei Nässe festzufressen. Es lohnt sich, diese im Auge zu behalten oder auf besser gedichtete Alternativen aus dem Zubehörhandel zu wechseln. Auch der Steuersatz kann anfällig sein und die Wartung ist durch das Future Shock System etwas aufwendiger als bei Standard-Systemen.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Mehr Velo, in Form von mehr Federung an der Front und einem grossen Staufach, bedeutet mehr Ingenieurskunst und letztlich einen höheren Preis. In dieser Ausstattung kostet das Diverge rund CHF 5'900.–.
Das ist an sich kein schlechter Wert, da du eine vielseitige Maschine erhältst. Das Problem entsteht, wenn man über den Tellerrand von Specialized hinausschaut. Konkurrenten wie das Lauf Seigla bieten ähnliche Reifenfreiheit und wartungsfreie Federung zu einem günstigeren Preis.
Das Diverge ist sehr gut, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis wird durch starke Konkurrenz etwas gedrückt. Hinzu kommen die Kosten für eine neue Future Shock Kartusche, falls diese durch intensiven Gebrauch verschleisst.
Alles in allem ist das Diverge ein hervorragendes Velo. Es ist nicht das günstigste, aber es ist extrem kompetent und leistungsfähig und man kann relativ gut damit leben. (Bildnachweis: Will Jones)
Fazit
Für sich genommen ist das neue Specialized Diverge ein exzellentes Gravelbike. Es ist gelassen, komfortabel, bewältigt moderne Reifenbreiten und bügelt überraschend raues Terrain glatt. Es klettert exzellent auf technischen Abschnitten und hat tatsächlich einen nützlichen Stauraum im Unterrohr. Zudem sieht es, besonders mit breiten Reifen, grossartig aus.
Wenn du bereits eines willst, wirst du nicht enttäuscht sein. Wenn du jedoch nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis suchst, bieten andere Marken eventuell mehr Velo für dein Geld und sind langfristig einfacher zu warten.
Bewertung
Design & Ästhetik: 8/10 – Gut aussehend, mit Funktionen, die echten Mehrwert bieten.
Aufbau: 8/10 – Solider Aufbau mit guten Laufrädern und Reifen. Lenker ist Geschmackssache, aber leicht zu tauschen.
Performance: 9/10 – Ein sehr, sehr gutes Gravelbike. Etwas träge auf der Strasse, aber sonst schwer zu kritisieren.
Gewicht: 7/10 – Keine leichte Bergziege, besonders nicht mit grossen Reifen. Einmal in Schwung ist es okay, aber es fehlt die Spritzigkeit.
Preis-Leistung: 7/10 – Im Vergleich zur direkten Konkurrenz, die teils mehr für weniger Geld bietet, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überragend.
Gesamtbewertung: 78%
Autor
Will Jones Will stiess 2022 als Redaktor für Testberichte zum Cyclingnews-Team, nachdem er zuvor für Cyclist, BikeRadar und Advntr geschrieben hatte. Er hat sich in den meisten Velodisziplinen versucht, von der Standardmischung aus Rennvelo, Gravel und Mountainbike bis hin zu ungewöhnlicheren Dingen wie Velo-Polo und Tracklocross.
Er hat seine eigenen Velorahmen gebaut, über Tech-News von den grössten Rennen der Welt berichtet und dank seines exzellenten fotografischen Auges unzählige Premium-Galerien veröffentlicht. Da er zudem nie drinnen fährt, ist er zu einem echten Experten für Schlechtwetter-Ausrüstung geworden. Seine Velosammlung ist ein buntes Sammelsurium, das von Stahl-Tourern im Vintage-Stil bis hin zu superleichten Flatbar-Mountainbikes reicht.
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